Warum ich aufgehört habe zu denken und warum du es mir nachmachen solltest

Klopf, Klopf.

„Wer ist da?“

„Gott.“

„Oh, danke, aber ich brauche Sie nicht.“

„Das macht nichts. Ich bin sowieso schon da.“

Wie bitte?

„Ich bin bereits bei Ihnen. Egal, ob Sie wollen oder nicht.“

„Wie können Sie es wagen?“

„Ach, jetzt regen Sie sich nicht so auf. Sie bemerken mich ja sowieso die meiste Zeit nicht, weil sie so beschäftigt sind und sich ständig ablenken. Ich bin ja schon überrascht, dass sie mein Klopfen heute bemerkt haben.“

???

Jetzt machen Sie nicht so ein Gesicht. Das steht Ihnen nicht. Machen Sie einfach weiter Ihr Ding und wenn Sie mich brauchen, bin ich hier.“

„Wo?“

„Überall. Jederzeit.“

„Wirklich?“

„Ja, Sie müssen nur lernen, mich zu sehen. Ein wenig Achtsamkeit von Ihrer Seite und Sie werden es merken.

„Aha. Wenn Sie meinen.“

So ungefähr stelle ich mir eine Unterhaltung zwischen einem Durchschnittsbürger der Bundesrepublik und einem personifizierten Gott vor.

Ich benutze das Wort Gott, da es die personifizierteste Vorstellung von dem ist, was ich unter Gott verstehe.

Was genau ich damit meine?

Wir Menschen sind nun einmal so begrenzt

Das lässt sich schwer in Worte fassen und auch allgemein schwer begreifen.

Es ist ein Gefühl. Manchmal ist es in mir drin, manchmal um mich herum, manchmal scheint es sogar weltweit umherzuschwirren, wobei es wahrscheinlich ist, dass es immer und überall ist, nur ich es eben mit meinem begrenzten Bewusstsein nicht immer fassen kann.

Das ist auch ok. Schließlich sind wir Menschen nun einmal so „begrenzt“ und „Gott sei Dank“, denn sonst würden wir ja vor lauter Sinneseindrücken eine Meise kriegen.

Worauf ich mit diesem Artikel hinaus möchte, ist, dass es mir sehr geholfen hat, dieses Gefühl (wieder) wahrnehmen zu lernen.

Ich saß damals bei meiner Psychotherapeutin auf der Couch und dachte, es geht um mich und mein Leben.

Als sie das erste Mal das Wort Spiritualität erwähnte, verleierte ich noch die Augen und dachte, dass das doch nichts mit mir zu tun hat.

Sie schaffte es dann, mich behutsam an das Thema heranzuführen, ohne, dass ich es überhaupt merkte.

Sie lieh mir eine DVD von Eckhart Tolle aus. Ich hatte bereits ein Buch von ihm gelesen und nach der Hälfte wieder weggelegt, weil ich nicht richtig verstand, was er wollte.

Beobachte deine Gedanken

Als ich ihn dann auf dem Bildschirm sah und merkte, dass er sehr bodenständig ist und seine Erkenntnisse, uns Menschen und unsere Gedanken mit viel Humor beschreibt, kam ich auch langsam dahinter, was er meint, wenn er sagt „Beobachte deine Gedanken“.

Das heißt ja letztendlich nichts weiter als „Achte mal darauf, was du denkst.“

Das kennen viele von uns sehr gut: Wie oft fragen Frauen ihre Männer, was sie gerade denken und dann kommt die Antwort „Nichts.“. Dann sind sie oft sauer, weil das ja nicht sein kann, dass man nichts denkt.

Doch probiere es doch selbst einmal aus: Was denkst du gerade?

Du kannst dich erinnern, was du vor ein paar Sekunden noch dachtest (oder auch nicht), aber jetzt gerade, wo du dich fragst, wirst du wohl nichts finden.

Wir können nicht gleichzeitig denken und auf unsere Gedanken achten.

Diese einfache Übung hilft uns, zu merken, dass wir nicht unsere Gedanken sind und es auch noch etwas außerhalb dieser Gedanken gibt. Und zwar uns, unser wirkliches Selbst, und die Welt da draußen, die wirkliche Welt, und nicht das, was wir dafür halten.

Wenn du in diesem Außerhalb der Gedanken bist, dann spürst und siehst du das, was ich Gott nenne.

Es fühlt sich friedlich, ruhig und lebendig zugleich an. Ich finde es in mir drin und um mich herum.

Es ist zeitlos. Es ist die Gegenwart.

Es ist immer da. Egal wo du bist und in welcher Situation du dich befindest. Du kannst jederzeit damit in Kontakt treten.

Selbst, wenn wir durch unser gewohntes übermäßiges Denkverhalten sehr viel Übung brauchen, um uns daran zu gewöhnen, die Gedanken bei Seite oder einfach labern zu lassen und uns selbst „dahinter“ zu spüren, beruhigt es mich auch in den Momenten, wo ich es nicht schaffe, in der Gegenwart zu sein, zu wissen, dass dieses Gott-Gefühl jederzeit greifbar ist.

Frage dich einfach öfter mal, was du gerade denkst

Wenn du das üben möchtest, frage dich einfach öfter mal, was du gerade denkst und beobachte, was du fühlst und wie du reagierst.

Beobachte dabei dein Umfeld – Sonnenstrahlen, Autoverkehr, Trubel – und lausche ihm – Baumblätter im Wind, Notarztsirenen, Gesprächsfetzen anderer Menschen … Wie nimmst du es wahr, wenn du dabei nicht denkst?

Erzähl mir, was du davon hältst und lass mir einen Kommentar da :)

Sei es dir wert.

Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Seitdem ich diesen Beitrag gelesen habe, erlebte ich täglich mehrfach „Szenen“ in denen das dort Gelesene genau eintrat („anklopfte“) und in diesem Moment konnte ich oft einfach nur lächeln…. und „denken“: „Hallo, Gott…!“
    Gott ist für mich dabei Synonym oder „Sammelbegriff“ für „etwas nicht Beschreibbares, was uns aber ein Leben lang und immer weiter begleitet, dem wir überall begegnen-wirklich über-ALL !
    So auch sehr gut dargestellt und geschrieben im „Friedlichen Krieger“ von Dan MILLMAN.
    In diesem Buch heißt „Gott“ : „Sokrates“….

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