Vom Fasten und Schreiben – Eine kleine Entscheidung, ein großer Unterschied

Letztes Jahr im Februar war ich fasten und fühlte mich danach das ganze Jahr über so wohl wie nie zuvor in meinem Körper. Wohl auch, da ich begann, genussvoll anders zu essen. Weniger Nudeln, mehr Kartoffeln. Weniger Nudeln, mehr Vielfalt und Kreativität, weniger Nudeln, aber dennoch ab und zu meine geliebten Spaghetti mit Tomatensauce.

Auch in meiner Beziehung sah ich dank der Fastenwoche klarer, was ich wollte, und genieße seitdem mehr Leichtigkeit und gleichzeitig Vertrauen und gemeinsame Wurzeln mit meinem Freund. Welch ein Glück, gerne nach Hause zu kommen.

Also habe ich wieder gefastet. Nach fünf Tagen ohne Essen, befinde ich mich nun in den Aufbautagen, wo noch nicht alles erlaubt ist und die Vorfreude groß.

Wie du vielleicht mitbekommen hast, schreibe ich zurzeit an meinem ersten Buch. Ein Thriller, der auf Mallorca spielt. Mein Protagonist wird von seinem Körper gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Dabei läuft alles aus dem Ruder. Es gibt sogar Tote.

Ich hatte mir vorgenommen, die erste richtige Version bis Anfang April fertig zu schreiben. Also versuchte ich, mir Zeit dafür zu nehmen.

Wie es oft so ist, schneite zur gleichen Zeit ein Großauftrag für eine Übersetzung herein. Ich brauchte das Geld dringend, um meine Miete zu zahlen und freute mich über die finanzielle Spritze nach einem lauen Winter. Das Schreiben würde ich schon irgendwie gleichzeitig schaffen.

Und wenn nicht, dann eben in der Fastenwoche, da hätte ich ja so viel Ruhe.

Als ich dann auf Rügen mein Hotelzimmer für die Fastenwoche bezog, war ich hin und weg. Ein Schriftstellerzimmer! Mit einem kleinen, runden Holztisch, gepolsterten, großen Holzstühlen vor einem Fenster mit Balkon und Aussicht auf die Dächer des malerischen Örtchens. Hier würde ich perfekt schreiben können.

Das tat ich auch. Am ersten Fastentag setzte ich mich hin. Ich klappte den Laptop auf, trank einen Schluck Kräutertee, atmete tief durch, ließ meinen Blick in den blauen Himmel schweifen, legte die startbereiten Hände auf die Tastatur und stellte fest, dass mir gar nicht nach Schreiben war. Mir war nach Dasitzen und Nichtstun. Nicht einmal zum Lesen hatte ich Lust, während zwanzig Bücher in meinem Koffer lagen, die mich interessierten …

Also zwang ich mich. Schaffte es, die bereits 10.000 geschriebenen Wörter auf 20.000 Wörter zu erweitern. Meine Willenskraft war ungebrochen. Ich fühlte mich besser, kein schlechtes Gewissen mehr. Und immernoch keine Lust.

Am dritten Tag beschloss ich, mir zu erlauben – und das sind die wundervollen Effekte des Fastens, wenn der Bauch kein Essen mehr verdauen muss und dafür mehr Weisheit preisgeben kann –, das Buch später fertig zu stellen. Welch eine Erleichterung.

Ich schaltete den Laptop aus und lehnte mich zurück. In mir machte sich ein wohliges Gefühl der Verbundenheit mit mir selbst breit. Ich war mir selbst so dankbar, dass ich in der Lage war, zu erkennen, wann eine Umentscheidung mir gut tat.

Dank der strengen Deadline, die ich mir selbst auferlegt hatte, kam ich in die Pötte und brachte die ersten 83 Seiten zu „Papier“. Ich wusste nun also, dass ich es durchziehe. Nun achtete ich darauf, dass die Freude nicht flöten ging.

Wozu die Eile? Es ist das Schreiben, was mich glücklich macht, nicht ein fertiges Buch. Alle Errungenschaften bieten kurze Freude, der Weg dahin ist der eigentliche und langanhaltende „Glücksfaktor“.

Also werde ich den Frühling und Sommer schreibend auf meiner Terrasse, in meinem neuen Co-Working-Büro und in meinen Lieblingscafés genießen.

Wie oft erlaubst du dir, einen Plan zum gegebenen Zeitpunkt umzuwerfen? Achtest du bei deinen Projekten auf deine Empfindungen? Ziele erreichen ist gut, sie mit Freude erreichen ist Lebenskunst.

Sei es dir wert.

PS: In diesem Video erzähle ich ab Minute 1:50 ein wenig über die Entstehung. Der Mann in dem Video ist mein Schreibtrainer Andreas, der mir bei der Umsetzung meines Traums extrem hilft. Er zeigt angehenden Romanautoren, wie sie das Schreiben mit ihrem Alltag verbinden und endlich wirklich loslegen mit der Schriftstellerei.

PS2: Wenn du auch einmal Fasten möchtest und dich bisher nicht so getraut hast, dann empfehle ich dir, es zusammen mit Fastenleiterin Gabriele Brandes zu machen. Ihr gelingt die Kunst, Verzicht mit Genuss zu verbinden. Die Woche mit ihr bringt genau die richtige Mischung aus Anspannung (Wanderungen & Frühsport) und Entspannung. Sie zeigt, wie Selbstliebe in der Praxis aussieht. Absolut empfehlenswert!

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Elisa
    Als ich von deinem Schreibabendteur las, hatte ich das Gefühl, ich lese meine eigenen Gedanken, als spräche ich selbst. Erst gestern, es war in den frühen Morgenstunden, sass ich in meinem Lieblingsfafe in Bern. In den Gasesen und unter den Arkaden der mittelalterlichen Stadt, lagerte noch die Dichte Kühle der Nacht. Der sonnenbeschienene Sitzplatz an dem ich sass, wärmte sich langsam und wohlig, die Luft war durchströmt mit der Vorahnung des Frühlings. Meine Geschichte in der ich in diesem Moment las, führte mich durch die weiten Landschaften Finnlands – Aleksis Kivi‘s “Die Sieben Brüder“. Im Nachsinnen wanderte mein Blick zur naheliegenden, alte Kirchenfeldbrücke, welche sich in grosser Höhe über die in der Morgenfrische, gemächlich dahinfliessende, gletschergrüne Aare spannt. Meine Gedanken schweiften hinüber zum eigenen Schreibwunsch. Das diesige Alpenpanorama im Blick, die Morgensonne auf meinem Gesicht und dieser frische Tag vor mir, so sass ich, als meine liebe gute Freundin auftauchte. Nach kurzer Zeit im Gespräch mit ihr, kam die Idee zustande, einen biographischen Roman über ihr Leben zu schreiben. Nun musst du wissen, diese Begegnung, diese Bekanntschaft mit dieser „alten“ Dame ist eine Schicksalhafte. Ihre Lebensgeschichte erfahren zu haben, bedeutet für mich, meinen eigenen Weg immer klarer und bewusster zu erkennen. Sie ist achtzig Jahre alt, eine in der ganzen Welt umhergereiste, Astrologin und Heilerin. Vielleicht ist das mein erster Roman, eine Lebensgeschichte, durch die ich zu meiner eigenen Geschichte fand. Deine Zeilen machen mir Mut, dieses Abendteuer zu beginnen.

    Liebe Grüsse aus Bern, Andreas

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