Happiness is formless – oder 30kg in 9 Monaten

 Weil das Glück nicht von der Figur abhängig ist

Das muss man erst einmal schaffen.

So schnell kann man nur zunehmen, wenn es sich, wie der Titel schon ankündigt um die berühmt berüchtigten 9 Monate einer Schwangerschaft handelt. Und ich zähle zu dem Teil der Frauen, die auf einen Schlag ihren Traumkörper gegen üppige weibliche Rundungen eintauschte.

Auch jetzt nach meinem zweiten Kind sitzen noch 12 hartnäckige Kilos fest und kleben an mir wie Blutegel. Mittlerweile kann ich sie aber als ein Teil von mir akzeptieren.

„Das kommt in der Stillzeit schon alles wieder runter.“, sagten Freunde. „Work out.“, meinten andere.

Ich hatte diese Kommentare satt. Ständig musste ich beobachten, wie Freundinnen ihren Nach-Schwangerschafts-Traumkörper auf den Social Media Seiten posteten und vor Stolz nur so strotzten, als gäbe es eine Wettbewerb wer am schnellsten wieder zu seinem Körper vor der Schwangerschaft zurück findet.

Wieso nur?

Der Körper vor einer Schwangerschaft ist und bleibt nun mal der Körper vor diesem einzigartigen, wundervollen Ereignis. Der Körper davor hat noch kein Kind geboren. Wieso bloß sollte mein Körper wieder so aussehen? Die Natur ändert den Körper doch aus einem Grund.

Mit der Zeit erkannte ich: Ich bin stolz auf meine Rundungen, stolz auf meine Kaiserschnittsnarbe der ersten Geburt, stolz auf meine 2. natürliche Geburt (das erleben zu dürfen möchte ich gegen nichts wieder eintauschen, auch nicht gegen mein frühere Figur). Stolz auf die Spuren, die die Geburten hinterließen.

Wenn ich mich anschaue, wie ich vor 3 Jahren aussah, sehe ich eine durchtrainierte, leicht knochige Frau mit etwas traurigen Augen und verlorenem Blick.

Jetzt sehe ich im Spiegel eine runde, erfüllte Frau, die strahlt. Ich versuche diesen Körper anzunehmen, mitsamt hängender Brust und schwabbeligen Fettpölsterchen. Ich danke der Natur, die mir Kinder geschenkt hat und den Spuren, die dadurch hinterlassen wurden.

Sicherlich gibt es Tage an denen stört mich so einiges überflüssiges Kilo aber ich ergebe mich dem Lauf der Zeit.

Eines steht jedenfalls fest: Ich bin jetzt glücklicher als mit 58kg.

Also nichts mit: „Ach wäre ich doch nur schlank und durchtrainiert, dann wäre ich doch glücklich …“ Definiere dich nicht (nur) durch dein Äußeres, du gerätst vom Weg ab, denn du bist viel mehr. Suche nach dir!

 

Dies ist eine Kolumne von Luise de Villiers, die ab jetzt ab und zu montags auf Flohbair erscheint.

Die Flohbair-Gastautorin wurde 1983 in Halle an der Saale geboren. Sie arbeitete als Modedesignerin in Paris und Tokio, bevor Sie beschloss dieser Branche den Rücken zu kehren, um sich in Thailand und Malaysia als Tauchlehrerin zu versuchen.

2014 ist sie gemeinsam mit ihrem Mann Wayne aus Südafrika nach Deutschland zurückgekehrt, wo sie zusammen mit ihren beiden Kindern leben.

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