Eine einfache Geste, um mit schlechter Laune umzugehen

Heute ist wieder einer dieser Tage.

Ich bin noch nicht einmal richtig wach, da spüre ich schon, wie die schlechte Laune in mir hochkriecht. Es ist Samstag. Die Klingel reißt mich aus dem Schlaf.

Ich greife zur Uhr, um zu sehen, wie spät es ist. 11.13 Uhr.

Mein Freund sagt, es sei Paco, der uns zum Grillen abholt. Es kotzt mich an. Den einzigen Tag in dieser Woche, den wir für uns hätten, sollen wir nun zu einem Freund grillen fahren. Nichts mit Moped-Tour zu zweit zum Strand, wie ich es mir ausgemalt hatte.

Schlechte Laune an der Macht

Ich mache meinem Frust Luft.

Jaime überrascht mich, indem er mir meine schlechte Laune nicht übel nimmt. Er versucht mir den Grilltag schmackhaft zu machen, sagt, ich solle mich noch etwas ausruhen und später dazukommen. Wir werden dort auch eine schöne Zeit haben.

Ich schnauze weiter vor mich hin. Er zieht sich an, sagt mir, er verstehe mich, wir sehen uns später und weg ist er. Paco wartete unten auf ihn.

Ich breche in Tränen aus.

Meine Gedanken haben mal wieder das Zepter übernommen und erklären mir nun, wie furchtbar die Situation ist.

Die Umstände sind Schuld

Seit Dienstag schiebe ich für einen Übersetzungskunden in den USA Nachtschichten von 19.00 bis 5.00 Uhr. Ich krieche auf dem Zahnfleisch, da ich tagsüber nicht so wirklich den erholsamen Nachtschlaf nachholen kann.

Meine Gedanken erinnern sich an mein ganzes Selbstliebegefasel und erklären mir nun triumphierend, dass es eben doch nichts bringt. Obwohl ich natürlich wusste, dass sechs Nachtschichten von zehn Stunden vorm Computer nicht gerade einen beflügelnden Einfluss auf mein Seelenleben haben würden, habe ich den Auftrag angenommen. Aus dem einfachen Grund, dass ich das Geld nach einem schwachen Monat dringend nötig hatte.

Wie gehen wir nun also damit um, wenn unser Vorhaben, selbst für uns zu sorgen, und unsere finanziellen, familiären, sozialen oder beruflichen Umstände uns beinahe zwingen, anders zu handeln?

Wie komme ich da raus?

Plötzlich spüre ich eine Willenskraft in mir aufsteigen, die mich an meine Erkenntnisse und mein „Selbstliebegefasel“ erinnert. Neue Gedanken tauchen auf. Der erste sagt: „Stopp, Elisa. Das sind nur Gedanken. Höre auf, ihnen zuzuhören.“

Kurze Ruhe.

Die Tränen fließen weiter.

Nun lasse ich es einfach zu und beginne zu verstehen, dass ich einfach völlig übermüdet bin. Durch die vielen Übersetzungen am Computer habe ich keine Lust mehr gehabt, noch Blogartikel zu schreiben. Das kommt hinzu. Ich bin völlig in alte Muster gefallen. Nur ein paar Tage lang.

Mein Körper erinnert mich auf seine Weise an mein Vorhaben, mein Leben nach und nach mit Sinn zu erfüllen und anders zu gestalten.

Da ich eh nicht mehr einschlafen kann, pflanze ich mich vor den Computer und beginne diesen Artikel zu schreiben.

Es ist erstaunlich. Es wirkt beinahe wie Medizin. Das Schreiben. Der Kontakt mit dir, obwohl ich dich nicht kenne. Die Vorstellung, dass du dies liest und ich nicht allein mit der Situation bin. (Danke!)

Ich springe jetzt auch nicht euphorisch durch die Gegend. Mein Geist fühlt sich an wie ein ruhiger, friedlicher See. Das ist viel erholsamer, als ewige, erzwungene oder gar gespielte gute Laune.

Jetzt kann ich mich auf die neue Situation, auf den neuen Tag einlassen und sehen, was das Leben mir beschert oder besser gesagt, die Geschenke sehen, die es heute für mich bereithält.

Ich werde mich etwas herausputzen, in der Sonne noch einen Kaffee auf meiner Terrasse genießen und später zu den anderen hinzustoßen.

Wenn ich dann noch immer in dieser ernsten, in mir ruhenden Stimmung bin, werde ich darauf achten, mich nicht zu verstellen. Ich werde mich hinsetzen, den anderen zuhören, mir das Recht eingestehen, ich selbst zu sein. Bei Fragen nach meinem Befinden, werde ich sagen, ich bin müde.

Wir müssen nicht immer gut gelaunt durchs Leben gehen. Wir müssen nur auf unseren Körper hören, damit unsere schlechte Laune nicht unangemessen den Mitmenschen um die Ohren fliegt, wenn wir pausenlos die Botschaften unseres Körpers ignorieren.

Achte auf deine Gedanken

Wenn du solche Tage kennst, lege ich dir also ans Herz, auf deine Gedanken zu achten. Sobald du den negativen Gedanken, die dir die ganze Energie aus dem Körper saugen und deine Weitsicht trüben, nicht mehr zuhörst, wird es dir schon ein kleines bisschen besser gehen.

Nimm dir in solchen Momenten etwas Zeit. Höre in dich hinein, was der Grund für deine schlechte Laune ist. Auch wenn du nicht sofort eine Lösung parat hast, tut es gut, zu verstehen, was los ist. Der Körper hat immer Recht. Er hat immer eine Botschaft für dich. Nimm dir Zeit, sie zu verstehen.

Ich habe nur viereinhalb Stunden geschlafen. Heute Nacht werde ich wieder zehn Stunden vor dem Computer sitzen und übersetzen. Keine Ahnung, wie ich das durchhalten werde.

Ich habe keine Lösung für meine Übermüdung parat, doch ich fühle mich besser. Ich bin bei mir.

Allein die Tatsache, dass mein Körper jetzt weiß, dass ich ihm zuhöre und verstehe, was er mir mitteilen möchte, hilft.

Durchbreche also bei schlechter Laune deinen negativen Gedankenstrudel und achte auf die Botschaft, die dahinter steckt. Lass die unangenehmen Gefühle zu.

Schließe Frieden mit deiner schlechten Laune. Sie ist auf deiner Seite und möchte dir nur helfen. Sie ist das kleine orangefarbene Lämpchen bei der Tankanzeige. Sie erinnert dich daran, dass du irgendwann wieder Energie tanken musst.

Sei es dir wert.

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Schlechte Laune kenne wir alle. Und keiner weiß so recht, wo sie her kommt. Manchmal wache ich in der Früh auf und ich merke schon: Oje – schlecht trauf. Dabei habe ich doch gut geschlafen?
    Unser Gehirn spielt da so seine eigenen Stücke. Ich mache da in solchen Situationen immer meine persönliche Glücksübung. Ich habe sie aus einem Buch von Antony Robins.
    Wenn ich in der Früh aufwache, dann stelle ich mir 3 entscheidende Fragen:
    1) Wofür bin ich in meinem Leben dankbar?
    2) Gibt es etwas, worüber ich glücklich bin? (vielleicht persönliche Erfolge usw.=
    3) Möchte ich wirklich, dass der heutige Tag ein sche…Tag wird?
    Und dann passiert etwas Großartiges in meinem Gehirn: Meine Stimmung ändert sich plötzlich!
    Liebe Grüße,
    Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.