Der Schlüssel zu einem Leben, auf das du stolz sein kannst

Ein grauer Wintertag.

Ich ziehe mir eine Plastiktüte über die Socken, bevor ich in meine Billigschuhe von Deichmann schlüpfe, die so undicht sind, dass ich eigentlich auch gleich barfuß durch den Schnee stapfen könnte.

Auf zur Uni. Zwei Seminare, eine Vorlesung und dann noch fünf Stunden jobben im Klamottenladen am Bahnhof, wo ich mehrmals pro Woche für fünf Euro pro Stunde bis 22 Uhr arbeite.

Ein langer Tag liegt vor mir.

Durchfroren komme ich auf dem Campus an und stiefele am Studentenreisebüro vorbei. Verträumt sehe ich mir die Angebote an.

Ein Flug nach Mexiko für 600 Euro.

Ich denke an meine Ersparnisse für den Notfall. Einen kurzen Augenblick lang erlaube ich mir den unvernünftigen Gedanken, in den Semesterferien im Februar einfach abzuhauen.

Es wäre gut für mein Studium. Schließlich studiere ich Spanisch, flüstert eine zaghafte Stimme in mir.

Schnell holt die Realität mich wieder ein und ich setze meinen Weg fort. Komme eh schon wieder zu spät.

Am Abend stehe ich dann zwischen einem Haufen Billigkleidern auf Arbeit und hänge meinen Tagträumen nach. Meine Lieblingsbeschäftigung.

In dem Moment erscheint mir eine kleine Fee.

Sie sagt mir, dass ich bereits einen Monat später in der mexikanischen Karibik durch türkisblaues Wasser schnorcheln werde, dass ich zwei Jahre später in Südfrankreich studieren werde, dass ich fünf Jahre später in Paris leben werde, dass ich zehn Jahre später auf einer Mittelmeerinsel selbstständig sein und nur zwei Minuten Fußweg vom Meer entfernt wohnen werde.

Ich zeige ihr einen Vogel und lege deprimiert weiter Klamotten zusammen.

Damals wäre es mir wohl sogar wahrscheinlicher erschienen, dass eine Fee auftaucht, als dass diese Vorhersagen einmal Wirklichkeit werden würden.

Ich träume weiter.

Als ich nachts endlich nach Hause komme und völlig fertig aufs Sofa vor dem Fernseher plumpse, erzähle ich meiner Mitbewohnerin Franzi von dem Flug nach Mexiko. Keine Ahnung, warum. Er spukt eben noch in meinem Kopf herum.

Sie fragt, warum ich ihn nicht buche.

Ich sehe sie vorwurfsvoll an, da ich die Antwort selbstverständlich finde.

Es ist unvernünftig. Außerdem habe ich ganz schön Schiss. Schließlich bin ich noch nie alleine verreist und dann gleich noch so weit weg. Und dafür meine ganzen Ersparnisse aufbrauchen, denn ich müsste da ja auch irgendwo wohnen.

Am nächsten Morgen komme ich wieder am Studentenreisebüro vorbei. Wieder bleibe ich stehen und sehe verträumt das Angebot nach Mexiko an.

Ich gehe hinein.

Buche den Flug. Einfach so.

Bin ich wahnsinnig geworden?

Ich habe den Flug so gelegt, dass ich einen Monat in Mexiko bleiben muss – wenn schon denn schon hatte irgendeine irre gewordene Stimme in mir gesagt. Schließlich will ich ja dort mein Spanisch verbessern.

Oh mein Gott, was habe ich getan.

Mein Herz schlägt schneller, ich bekomme eine leichte Panik. Gleichzeitig kann ich es kaum erwarten, meiner Mitbewohnerin davon zu erzählen. Mit einem breiten Grinsen fahre ich abends mit dem Fahrrad durch den Schneesturm nach Hause und renne die Treppe hoch.

Franzi freut sich mit mir und wir springen aufgeregt auf und ab.

Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es war der Tag, an dem ich ohne, dass ich es erklären kann, beschloss, mein Leben so zu gestalten, wie ich es mir erträume.

Die nicht existente Fee hätte Recht gehabt.

Bis heute haben sich alle meine Tagträume wie auf magische Weise verwirklicht. Wobei ich stets den Grundstein dafür selbst legte und mutig den ersten Schritt ging.

Wie den unvernünftigen Flug nach Mexiko zu buchen und dort einen Monat ganz auf mich allein gestellt zu sein – ohne Kreditkarte (hatte ich damals noch nicht).

Wie mich in meiner deutschen Uni zu exmatrikulieren und in Frankreich weiter zu studieren, ohne Garantie, dass ich das Studium dort schaffe.

Wie mich selbstständig zu machen und in schwierigen Phasen wieder unterbezahlte Nebenjobs zu suchen, um die Miete zahlen zu können.

Jetzt ist die große Frage, was bewegte mich immer wieder dazu, meine Zweifel und Ängste zu überwinden?

Lange habe ich die Antwort nicht erkannt, doch nun finde ich sie von der Gehirnforschung bestätigt: Es war die Vision, die ich von meinem Leben hatte. Die Tagträume.

Nie hätte ich gedacht, dass meine Träumereien so wichtig für meinen Lebensweg seien. Nun weiß ich es. Unsere Gedanken erschaffen unsere Wirklichkeit. Ich bin der lebende Beweis. Denn wir handeln nach unseren Gedanken. Eigentlich logisch.

Wieso unterschätzen dann noch so viele von uns diese Kraft?

Du glaubst mir nicht? Dann gibt es nur eine Möglichkeit: Werde dein lebender Beweis. Wir glauben es nur, wenn wir es selbst erleben.

Wie sehen deine Tagträume aus? Oder hast du sie schon aufgegeben? Wenn ja, dann krame sie wieder hervor.

Habe den Mut zu träumen, geh den ersten Schritt und dann staune, was passiert.

Noch ein wichtiger Hinweis: Gib in schwierigen und unangenehmen Phasen nicht gleich auf. Erinnere dich in ihnen an deinen Traum und halte durch. Die Frage ist nicht, ob du ihn realisieren wirst, sondern wie und wann.

Eine Garantie gibt es natürlich nie. Aber macht nicht genau das es so spannend?

Wenn du deine Träume begräbst, bekommst du eine Garantie. Die Garantie für ein mittelmäßiges Leben – im günstigsten Fall.

In deiner vermeintlich sicheren Komfortzone lauern mehr Gefahren als auf dem unsicheren Weg in ein lebendiges Dasein. Du hast also nichts zu verlieren, als deine falschen Glaubenssätze.

Sei es dir wert.

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Wow, danke Elisa für diesen sehr inspirierenden Artikel.

    Gerade diese Sätze sind sehr überzeugend:
    „Wenn du deine Träume begräbst, bekommst du eine Garantie. Die Garantie für ein mittelmäßiges Leben – im günstigsten Fall.“

    Es tut so gut zu lesen, dass jemand sein Leben nach seinen ganz eigenen, träumerischen Vorstellungen gestaltet. Es ist gut zu wissen, dass einige Menschen diesen Mut besitzen.

    Und gerade diese Menschen sollten davon berichten, damit andere auch auf die Idee kommen, ihr Leben so zu leben, wie sie es im tiefsten Inneren fühlen …

    1. Marten!

      Mensch dein Kommentar rührt und motiviert mich sehr!
      Es fühlt sich schön an verstanden zu werden.

      Freue mich, dass wir uns nun vernetzt haben. Gemeinsam machen diese Projekte, auch andere zu einem lebendigen Leben zu inspirieren, so viel mehr Spaß.
      Bis bald auf eurem Blog ;)
      Elisa

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