5 Antworten einer unglücklichen Bloggerin: Warum Glück völlig überbewertet wird

Vorgestern fand ich in meinem Briefkasten ein Überraschungspaket.

Ein Überraschungspaket, das es in sich hatte.

Wie oft in letzter Zeit und in meinem Leben allgemein war ich etwas trübselig gestimmt und mein innerer Kritiker machte die Situation mit seinen unablässigen Kommentaren nicht besser.

Da war das Paket eine willkommene Ablenkung. Selbst der Kritiker war neugierig und hielt endlich mal die Klappe.

Ich setzte mich auf mein Sofa in die wärmende Novembersonne, die durch die offene Terrassentür schien.

Das Paket enthielt einen sehr langen Brief und zwei Bücher.

Es kam von der besten Freundin meiner Mutter, die ich gerne als meine Zweitmama bezeichne, da sie eine große Inspiration für mich ist.

Sie reiste schon zu DDR-Zeiten allein durch Osteuropa und später quer durch die Welt. Ich liebte es, ihre Reiseberichte anzuhören und Bilder dazu zu sehen.

Sie brachte mich als Kind und Teenager zum Träumen. Und später auf die Idee, es ihr nachzumachen und in die Welt aufzubrechen.

Zurück zu meinem Sofa und dem Brief.

Sie schrieb mir ihre Gedanken zu meinem Blog und ihren Eindruck meines Innenlebens:

Ist es denn tatsächlich so wichtig, krampfhaft nach dem Glück zu suchen?

Kann man andere Menschen tatsächlich „anleiten“, das Glück zu finden? Noch dazu wenn man viele verschiedene Interpretationen für dieses Wort finden wird und jeder sein (vermeintliches) Glück in anderen Dingen sieht als der andere!“ (…)

Und grundsätzlich frage ich mich, ob die ständige Beschäftigung mit dem Thema Glück und Dir selbst nicht ein Zeichen dafür ist, dass Du eben doch nicht glücklich bist und Dir das auf diese Weise versuchst einzureden. (…)

Du weißt zwar aus deiner Therapie, was man theoretisch alles machen kann und/oder soll, um zu einer glücklichen Grundeinstellung zu finden, allerdings stellt sich das Glücksgefühl nicht wirklich ein.

Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass Du in Dein ganzes Leben zu viele Erwartungen steckst, und zwar Erwartungen jeglicher Art in alle möglichen Dinge, die Du tust.

Wenn ich deinen Alpenbericht lese, vermisse ich die herzerweiternde Gelassenheit, die zum Beispiel mich überkommt, wenn ich auf Wanderschaft bin, und noch mehr, wenn man im Gebirge unterwegs ist, das einem Über- und Weitblick verschafft.

Dein Bericht atmet eher die Hektik und den Krampf, diese Offenbarung zu finden, als die Freude in einer wunderschönen Landschaft unterwegs zu sein und viel Zeit für Gespräche mit deinem Vater zu haben, denn das war ja das Hauptziel der Tour. (…)

Eine andere Frage tut sich mir (…) auf:

Du schreibst über Dich selbst, dass Du außer mit Dir selbst am liebsten mit deinem Kater Ghost zusammen bist.

Das hat mich erschreckt, dass Du aus der Gesellschaft mit einem Haustier offenbar mehr Energie beziehst und Lebensglück findest als in der Beziehung mit Menschen. (…)

Findest Du das nicht ein bisschen seltsam?

Es finden sich überhaupt wenig Bezugspunkte und Anregungen für Übungen in Bezug auf Mitmenschen. Warum eigentlich?“

Eines der beiden Bücher in dem Paket heißt „Unglücklichsein – Eine Ermutigung“ und ist von dem Philosophen Wilhelm Schmid.

Als ich den Brief und den Buchrücken gelesen hatte, war ich den Tränen nah.

Sie und Wilhelm Schmid schienen tief in mein Inneres blicken zu können und ihre Worte erleichterten mich enorm.

Ich begriff endlich.

Ich darf auch NICHT GLÜCKLICH sein.

Es ist einfach so. Allein die Annahme der Tatsache nicht glücklich zu sein war eine solche Befreiung, dass ich mich gleich viel besser fühlte.

Ich gehöre zweifelsohne zu der melancholischen Sorte Mensch. Natürlich erlebe ich auch viele Momente der Freude, über die ich ja zur Genüge in diesem Blog schreibe.

Gleichzeitig sucht mein Hang zum Trübsal mich regelmäßig heim und wird mir oft zu viel.

Nun verstehe ich, warum ich ständig so extrem damit konfrontiert bin. Wilhelm Schmid beschreibt es sehr treffend:

Glück ist wichtig, aber wichtiger ist Sinn. (…) Die Dringlichkeit des Strebens nach Glück ist lediglich ein Indiz für die Verzweiflung, die die Entbehrung von Sinn hervorruft.

Weil die stressigen Bedingungen des modernen Lebens, Liebens und Arbeitens an den Lebenskräften zehren, sollen mit der Aussicht auf Glück die letzten Reserven mobilisiert werden. (…)

Um dem Zusammenbruch zu entgehen, rennen (die Menschen) wie besessen dem Glück hinterher, daher dessen ständige Beschwörung. So entsteht ein weiterer Stress, der Glücksstress.“ (S. 11 und S. 64)

Ich vermisse in meinem Leben das Sinngefühl.

Das war ja auch ein Grund für diesen Blog. Er ist vielleicht auch ein Schritt auf dem Weg in ein sinnerfüllteres Leben.

Nun habe ich verstanden, dass aber auch meine Melancholie, das Unglücklichsein, Sinn macht und zu diesem Weg dazugehört:

Ein großer Teil dessen, was in der Geschichte der Menschheit an Bewundernswertem zustande gebracht worden ist, ging nicht aus Zufriedenheit hervor.

Die Zufriedenheit als Lebensziel wird heillos überschätzt. Unzufriedenheit ist der Ansporn zu neuen Taten, das ist dem Menschsein eigen. (…)

Insofern scheint es als Glück, dass Unzufriedenheit ganz von selbst entsteht, wenn eine Zufriedenheit zu lange anhält.“ (S.39)

Zufriedenheit und Selbstzufriedenheit legen alle Entwicklung lahm.“ (S.37)

„Die Chemie des Glücks macht unglücklich, wenn sie überstrapaziert wird. Denn es handelt sich um Stoffe, die alsbald erschöpfen und daher regeneriert werden müssen, bevor sie das Leben befeuern können, um sich von Neuem zu erschöpfen …

Erschöpft ist mit ihnen der Mensch, der des Glücklichseins von Zeit zu Zeit müde wird.

Er wird zum Opfer der Lustwut und ist froh, sich endlich der Unlust hingeben zu dürfen, die ihm keine Anstrengung des andauernden Frohsinns mehr abverlangt.

Endlich darf er die andere Seite in sich ausleben.

Zwar droht dem, der „nicht gut drauf ist“ der soziale Tod, niemand will ihn in seiner Nähe haben.

Aber dem, der „immer gut drauf ist“, geht es nicht besser, denn er arbeitet sich vergeblich daran ab, das Wohlgefühl auf Dauer zu stellen, unversehens wird auch er zu einer Zumutung für seine Umgebung. (…)

Nur der Einzelne kann den Mut aufbringen, dem Zeitgeist, der auf dem Glückstrip ist, zu widersprechen.“ (S. 29-30)

Diese Absätze fassen alles zusammen, worauf die beste Freundin meiner Mutter mich hinwies.

Jetzt sehe ich es völlig klar.

1)

Ist es denn tatsächlich so wichtig, krampfhaft nach dem Glück zu suchen?

Nein. Ist es nicht. Es ist wichtig, seinem Leben einen Sinn zu geben, wenn wir uns leer fühlen. Es geht darum, die Leere in vielen von uns mit Fülle zu füllen. Diese Fülle beinhaltet angenehme UND unangenehme Gefühle, Gedanken, Lebenssituationen.

2)

Kann man andere Menschen tatsächlich „anleiten“, das Glück zu finden?

Mein Ziel ist und war es nie, andere Menschen „anzuleiten“. Ich möchte sie inspirieren. Wachrütteln. Trösten?

Sie dazu bewegen, sich nicht mit dem sinnentleerten Leben der heutigen Konsumgesellschaft zufrieden zu geben.

Wilhelm Schmid sagt: „Die Stärke der Melancholiker ist ihre Sensibilität, ihr Gespür für Sinn und dessen Fehlen; darin besteht ihr Geschenk an die Gesellschaft.

Ich möchte dieses Geschenk über diesen Blog an alle meine Mitmenschen weitergeben, die sich angesprochen fühlen.

Und ich möchte für meinen Seelenfrieden lernen, es anzunehmen, dass viele sich auch dagegen entscheiden, weil es zu schmerzhaft wäre, sich das Fehlen von Sinn einzugestehen oder sich überhaupt die Frage danach zu stellen.

3)

Grundsätzlich frage ich mich, ob die ständige Beschäftigung mit dem Thema Glück und Dir selbst nicht ein Zeichen dafür ist, dass Du eben doch nicht glücklich bist und Dir das auf diese Weise versuchst einzureden.

Die Beschäftigung mit dem Thema ist definitiv ein Zeichen dafür, dass ich nicht so glücklich bin, wie ich unbewusst dachte, dass ich es sein müsste.

Dank diesem Brief und dem Buch erkenne ich nun mein eigentliches Problem. Der Glücksstress.

Ich bin wie viele andere in diese krampfhafte Suche nach dem Glück geraten, das in unserer Welt der unendlich vielen Möglichkeiten gepriesen wird.

Und wie Wilhelm Schmid es beschreibt: „Je heftiger Menschen auf dem Positiven beharren, desto tiefer stecken sie im Negativen fest.“

Seit ich nun das Buch las, fühle ich mich im Frieden mit meinem Trübseligsein. Plötzlich ist es nicht mehr so unangenehm, schnürt meine Kehle nicht mehr ein und mir fällt eine riesige Last von der Seele.

Ich war ja eh nicht wirklich auf der Suche nach dem Glück, sondern nach Lebendigkeit. Ich habe die beiden nur anscheinend ab und zu unbewusst durcheinander gebracht.

4)

Das hat mich erschreckt, dass Du aus der Gesellschaft mit einem Haustier offenbar mehr Energie beziehst und Lebensglück findest als in der Beziehung mit Menschen. Findest Du das nicht ein bisschen seltsam?

Nein, ich finde das nicht seltsam.

Ich finde es traurig. Dies ist der Teil des Briefs, der mich am meisten gerührt hat.

Auch dies verstehe ich nun dank dem Büchlein von Wilhelm Schmid noch viel besser.

In unserer Gesellschaft sind unangenehme Gefühle und Stimmungen wie Wut, Traurigkeit und Melancholie ein Tabu.

Selbst unsere Freunde und Familien ertragen es kaum, uns traurig oder „schlecht drauf“ zu sehen. Sofort wird man mit „tröstenden“ Worten und Gesten dazu bewegt, ja schnell wieder zu lächeln.

Als von der Grundstimmung her melancholischer und nachdenklicher Mensch hat es mich in meinem Leben sehr viel Kraft gekostet, immer zu lächeln und gut drauf zu sein.

Es fiel mir nicht einmal auf, dass ich schon fast maskenhaft lächelte und mich völlig unbewusst aus einem unsichtbaren und unausgesprochenen Zwang heraus immer fröhlich gab.

Bloß nicht den anderen meine „deprimierte“ Stimmung zumuten. Sie machen sich sonst Sorgen.

Aber tut es uns nicht allen einfach nur gut, wenn wir mal in Ruhe im Beisein unserer Mitmenschen weinen können, ohne uns dafür schlecht fühlen und entschuldigen zu müssen?

Ich lernte in den letzten Jahren, meine Gefühle auszuleben. Dabei zog ich mich jedoch tatsächlich immer mehr zurück und merkte, dass mein Umfeld sich tatsächlich sehr sorgte, wenn sie mich so sahen.

Zudem spüre ich, wie viele Menschen sich anstrengen, so zu tun, als wären sie glücklich.

Weshalb sie es auch nicht ertragen können, jemand anderen weinen zu sehen. Das könnte ja auch ihre Fassade einreißen.

Gleichzeitig ist mir nun klar geworden, dass ich ohne meine Mitmenschen keine wirkliche Erfüllung finden werde.

Selbstliebe ist die Grundlage, um sich mit anderen Menschen wohlfühlen zu können, da wir dank ihr unsere eigenen Grenzen kennen und respektieren können.

Doch die Fülle des Lebens ist nur mit anderen Menschen möglich, gerade weil sie einem auch wehtun können. Ich wollte mich davor schützen, doch dieser Schutz führt wieder zurück in die Leere, die ich mit Lebendigkeit füllen möchte.

Nun weiß ich, wie.

Indem ich mich ins Getümmel stürze und das Glück UND Unglück, die Freude UND den Schmerz annehme, die dies mit sich führt.

5)

Es finden sich überhaupt wenig Bezugspunkte und Anregungen für Übungen in Bezug auf Mitmenschen. Warum eigentlich?

Es war mir gar nicht so bewusst, wie sehr ich die Mitmenschen aus meiner Vision eines lebendigeren Alltags ausschloss.

Ich denke, es ist auch eine wichtige Phase, sich anfangs zurückzuziehen, um sich klar zu werden, was man möchte und seine eigenen Grenzen und sein Bauchgefühl wieder zu finden.

Erst wenn diese Grundlage, die ich als Selbstliebe bezeichne, gegeben ist, können wir gesunde Beziehungen mit unseren Mitmenschen eingehen, die uns nicht überfordern und stressen.

Die Selbstliebe hilft auch, besser mit Verletzungen umzugehen und diese als Teil eines erfüllten Lebens anzuerkennen.

Deshalb habe ich den Eindruck, dass das Eintreffen dieses Briefs zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben für mich persönlich ein Wink des Schicksals ist. Er erinnert mich liebevoll daran:

Es ist Zeit für den nächsten Schritt.

Wieder auf meine Mitmenschen zuzugehen und meine Beziehungen zu pflegen.

Ich möchte mit diesem Blog vor allem eines für meine Leser bewirken:

Einen liebevolleren Umgang mit sich selbst UND mit ihren Mitmenschen.

Also lasst uns uns gegenseitig das Recht eingestehen auch in Gesellschaft unserer Mitmenschen trübselig, traurig und „schlecht drauf“ zu sein.

Schluss mit dem Glücksstress und dem Verstecken und Verdrängen unserer unglücklichen Momente.

Sei es dir wert.

elisasignatur

PS: Teile mir mit, was du darüber denkst und lass mir einen Kommentar da.

PPS: Wie schön ist es, einen Menschen im Leben zu haben, der sich die Zeit nimmt, sich so viele Gedanken über einen zu machen und sie in einem Brief festzuhalten. Vielen Dank für den Brief und die Bücher, liebe Zweitmama ;)

 

6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Mein Dank geht an.. Die Zweitmama :) eine sehr feinfühlige und weisse Frau

    Ich hatte dich, tatsächlich als Blatt im Sturm wahrgenommen, welches auf der Suche nach dem „Glück“ gar nicht zur Ruhe kommt. Jedoch wie sagt man dies als unbekannter Aussenstehender? Man schreibt Romane zurück, die versuchen zumindest einige Überlegungen anzuregen. ;) Jedoch so direkt, wie die Zweitmama? Nö, das war mir dann doch zu vermessen.. Daher Danke, liebe Zweitmama :)

    Buh ich hatte doch tatsächlich „Angst“ Dich und Deinen Blog als Version XYZ in die ganzen anderen Glücksbringerblogs eingereiht zu sehen. DANKE LIEBE ZWEITMAMA, ich freu mir gerade einen Ast ab :) Elsia wurde gerettet :D

    „Die Stärke der Melancholiker ist ihre Sensibilität, ihr Gespür für Sinn und DESSEN FEHLEN, darin besteht ihr Geschenk an die Gesellschaft.“<< Der HAMMER
    Dies war mir bisher nicht so deutlich vor Augen geführt worden, jedoch stimmt dies absolut!

    Einige werden dadurch krank, andere ziehen sich zurück, andere wiederum versuchen in höheren Sphären nach Antworten zu suchen.. jedoch eint sie alle das Gefühl/"der aktivierte Sensor" des Fehlens von Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit zu sich selbst (im Gegenüber) bei vielen unterbewusst, bei wenigen bewusst. Die Unterbewussten leiden sehr darunter, da man in der Gesellschaft kein/kaum Verständnis für "Schwäche" hat, dabei sind sie völlig gesund, jedoch trauert das Herz schwer, da es sich nicht recht entfalten kann, oder hart verarscht/verletzt worden ist. Und die Bewussten? Runzeln sehr sehr häufig die Stirn :)

    Liebe Elisa, vielen lieben Dank für diesen ehrlichen Beitrag mit sehr viel Tiefgang! Du bist auf einem gutem Weg!

    Einen lieben Gruss auch an Deine Zweitmama

    PS: bei dem Punkt mit den Tieren stimme ich Dir zu! Es ist der traurige Spiegel unserer Gesellschaftsnorm. Das Tiere teilweise die "besseren Menschen" sind, da sie sich nicht verstellen (gut bis auf den Part wenns ums Essenbekommen geht :) ), kann meistens jedoch nur von den Sensiblen nachvollzogen werden. Ich finde es nicht schlimm das einige Menschen momentan ihre Liebe und Aufmerksamkeit Haustieren zukommen lassen, ganz im Gegenteil :)

    1. Ach Jens,

      ich liebe deine Kommentare! Du bringst mich sehr zum Lachen (Das Tiere teilweise die „besseren Menschen“ sind, da sie sich nicht verstellen (gut bis auf den Part wenns ums Essenbekommen geht) und bereicherst mich immer sehr mit deinen Sichtweisen.

      Vielen Dank dafür!!

      Meine Zweitmama wird sich freuen zu sehen, was für interessante und ehrlich interessierte Leser ich habe. ;)
      So macht das Bloggen Spaß und Sinn!

      In diesem Sinne,
      bis zum nächsten Beitrag und Kommentar,
      Elisa

  2. Der Co – Alpenwanderer:
    Heute ist der Wunsch zum Lesen „des neuen Blog – Beitrages“ größer, als meine sonst so „unverzichtbare“ Sonntag- Abend- Tatort -Reihe zu genießen – und das will schon was bedeuten… wer mich kennt.

    Zusammenfassung meiner Eindrücke und Gedanken beim und nach dem Lesen:
    Das Wort „Weiter – Entwicklung“ sollte es eigentlich nicht geben, weil der Begriff „Entwicklung“ ja in der Regel schon das „WEITER“ in sich trägt…. dennoch ist ‚Weiter-Entwicklung“ das erste was mir durch den Sinn kam beim Lesen.
    Ich fühle Veränderungen in der „verbalen Wahrnehmung“ der Verfasserin und Veränderungen in der Betrachtungsperspektive, welche ich mit „positiver Entwicklung“ zusammenfasse.

    Aber:
    Beim Lesen von Auszügen „des Briefes und manchem kommentieren unserer Alpenwanderzeit“ stelle ich fest:

    Erstens: unser soziales Netz – damit meine ich Verwandte, Freunde, Bekannte und „Internet- Mitstreiter“ im schönsten Sinn dieses Unwortes – ist ja viel lebendiger, chaotisch-komplexer und anregender für gute Ideen oder zumindest „konstruktive Gedanken“ als ich mir vorstellen konnte… schöööön.

    Zweitens: – und das ist zwar nichts Neues aber manchmal sehr Erstaunliches – die Vielfalt der Perspektiven zu den verschiedenen Themenbereichen ist unvorstellbar groß und somit gelegentlich auch befremdlich.

    Drittens: – das sie (die Perspektive) aber so Gegensätzlich und aus meiner Wahrnehmung FALSCH und UNPASSEND ist, hat mich etwas betroffen gemacht. Wer gelegentlich Zeit mit Elisa oder ihrem Vater verbracht hat, ahnt das sie ziemlich „chaotische Typen“ sein können. Aber aus dem Bericht der Alpenwanderung den Eindruck herzuleiten, dass es unterwegs – mal salopp formuliert- „zu gehetzt, zu unachtsam, zu stressig oder zu schweigsam oder irgend so was ähnliches“ gewesen ist, habe ich weder unterwegs, noch beim Lesen dieses wunderschönen und absolut zutreffenden und in „guter Balance der Worte“ verfassten Blogbeitrages entdeckt oder gefühlt…

    Nun ist mir bewusst, dass es als „Angehöriger“ und Teilnehmer durchaus zu einer verzerrten Wahrnehmung kommen kann… aber nicht so extrem…

    Diese „Wanderung zweier Chaoten“ war in der konzentrierten Zusammenschau eine sehr ausgewogene Balance zwischen – für unsere Verhältnisse – großer Gelassenheit und Freude und tiefer Achtsamkeit für das was um uns geschieht – wir haben uns bewußt mehr Zeit für „so Manches“ eingerichtet – natürlich sind wir „zivilisierte Menschen“ und kommen (vorübergehend) auch aus diesem unruhigen „Alltagstrott“ nicht komplett heraus. Das betrifft aber auch jeden anderen unserer Freunde… das soll sich gar nicht unbedingt ändern..- zumindest nicht so abrupt… :)

    Ansonsten kann ich dem Gelesenen beipflichten und fühle Anregungen für mich… Insgesamt: Ein herzliches Danke an die Briefschreiberin und an Elisa für den Beitrag, der es nicht geschafft hat mich unglücklich zu fühlen…im Gegenteil…

    Michael Paul David ( der Papa)

    PS:
    Eustress und totale Entspannung sowie Harmonie waren die Hauptmerkmale dieser gemeinsamen Zeit in den Alpen. Die „Krisen“ waren von kurzer Dauer und „wichtiges Instrument“ für unsere Kommunikationsverbesserung und besseres Verstehen zwischen Tochter und Vater.
    Für unsere „erste längere Wanderung“ war es eine enorme E n t w i c k l u n g , Fortschritt und neue Orientierungsmöglichkeit…

  3. WOW – lange ist’s her, dass ich einen derart authentischen Blog-Artikel gelesen habe. Du gibst so viel von Dir preis, beleuchtest hier sehr persönliche Themen bis in die tiefe…liebe Elisa, danke Dir dafür. :-)

    Nach dem lesen des Briefausschnitts saß ich hier und hatte Tränen in den Augen. Ohne vorher irgendwas auf Deinem Blog gelesen zu haben. Ich stolperte über einen Kommentar von Dir auf myMONK zu Deiner Tür herein und klickte als erstes diesen Artikel. Klar, ich wollte wissen, wer hier die unglückliche Bloggerin ist und warum.

    Denn wir leben in einer Zeit, in der viele Blogger ziemliche Selbstdarsteller geworden sind. Wo das happy face dominiert…und damit die Authentizität, zumindest für mich, flöten geht. Gibt aber zum Glück viele inspirierende Blogs da draußen, wo das nicht so ist ;-)

    Deine Zweitmama schreibt so ehrlich, reflektiert und offenherzig, einfach wunderbar. Buchempfehlung genau ins Schwarze. Kenne ich noch nicht, das Buch von Wilhelm Schmid. Die Auszüge sprechen stark dafür, dass ich es bald in den Händen halten werde. „Rennen (die Menschen) wie besessen dem Glück hinterher“ „Glücksstress“ – es stimmt einfach! :D Wusstest Du, dass wir eine (inoffizielle) Glücksministerin in Deutschland haben? ;-) Google mal nach Ministerium für Glück und Wohlbefinden. Gina hat einen tollen undogmatischen Ansatz, wie wir alle unseren Blick für unser Glück und Wohlbefinden schärfen können.

    Du schreibst „Ich vermisse in meinem Leben das Sinngefühl.“ und „Sie dazu bewegen, sich nicht mit dem sinnentleerten Leben der heutigen Konsumgesellschaft zufrieden zu geben.“

    Ich teile Deine Vision, die Du unter „Über“ beschreibst. Ich glaube ebenso wie Du daran, dass ich selbst die Basis für Veränderung bin (weil ich’s am eigenen Leib erfahren habe, nachdem mich eine Depression dazu zwang). Selbstliebe und in meinen Augen auch Achtsamkeit sind Themen, die mir persönlich sehr dabei geholfen haben, ein solides Fundament zu bauen.

    Jetzt frage ich mich: Wieso vermisst Du noch das Sinngefühl? Also woran liegt es? Mit diesem Blog hast Du bereits ein starkes Bedürfnis von Dir kanalisiert -> andere Menschen zu inspirieren, wachzurütteln und zu begleiten.

    Vielleicht geht es Dir wie mir und Du hast einen (vielleicht noch unterbewussten) Wunsch in Dir, an den Umständen, in denen wir leben, in größerem Stil etwas zu verändern? Ich meine, warum führen wir denn das sinnentleerte Leben der heutigen Konsumgesellschaft? Mit so wenig Menschlichkeit, Wärme und Zeit füreinander? Wo siehst Du die Ursache(n)? Die Frage(n) lasse ich jetzt mal im Raum stehen und gehe frühstücken :D

    P.S.: Habe einiges weggelassen, damit mein Kommentar nicht ausufert. Wir können uns gerne per Mail austauschen – vor allem wenn Dich meine Seite anspricht. :-)

    1. Lieber Andreas,

      vielen Dank für deinen langen und bereichernden Kommentar. Es ist schön zu sehen, dass es bereits doch mehr Menschen gibt, als ich dachte, die sich aufmachen, um das Leben mit anderen Augen zu sehen, ihr Leben selbst zu gestalten und andere dazu zu inspirieren, es ebenfalls zu tun.

      Die Seite des Glücksministeriums gefällt mir und ich bin beeindruckt, wie viel Erfolg die beiden bereits haben. Das zeigt, dass der Bedarf groß und die Menschen bereit für ein anderes Leben sind. Das macht Hoffnung. Ich verlinke hier mal die Seite, damit interessierte Leser direkt beim Glücksministerium reinschauen können: http://ministeriumfuerglueck.de/

      Zu deiner Frage, warum mir mein Leben noch immer sinnentleert erscheint und ob ich nicht vielleicht den Wunsch hege, im größeren Stil etwas zu bewegen, so hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn ich ehrlich zu mir bin, habe ich das Gefühl, dass ich viel zu geben habe und das Leben vieler Menschen positiv beeinflussen und verändern kann, indem ich sie inspiriere und sanft wachrüttele. Leider weiß ich nur noch nicht, wie ich das anstellen soll. Wie ich sie erreichen soll.

      Mein Vorteil ist, dass ich nicht nur rede (schreibe), sondern all meine Träume bisher immer in die Tat umgesetzt habe. Leider bin ich mir aber auch bewusst, dass die Botschaft, die ich habe, nicht die ist, die die Menschen sich wünschen.

      Denn auch wenn ich alle Träume umgesetzt habe, so bin ich nicht einfach „glücklich“, wie ich es in diesem Artikel klarstelle. Ich selbst empfinde mich als viel glücklicher als viele andere Menschen, die nach Außen glücklich wirken, während ich oft melancholisch, traurig oder ernst und nachdenklich gestimmt bin. Denn ich habe erkannt, dass ALLE Gefühle und Stimmungen zu einem erfüllten Leben dazugehören. Dass wir nie „ankommen“ und „für immer die Formel des Glücks finden“ werden. Und dennoch lohnt sich der Weg.

      Nur wie bringe ich das den Menschen näher, denen von so vielen anderen Medien eingeredet wird, dass es „einfache“ Wege zum Glück gibt. Dabei rede ich nicht nur von der Konsumgesellschaft und der Werbung, sondern auch von Bloggern, die die Selbstständigkeit oder das digitale Nomadenleben anpreisen, als sei dies der Schlüssel zum Glück. Es kann natürlich einer sein, doch ein viel wichtigerer ist viel Näherliegender und gleichzeitig schwerer zu Erreichender, da er in jedem Menschen, egal in welcher Lebenssituation, bereits vorhanden, nur eben unsichtbar und nicht greifbar ist. Jaja, eine große Herausforderung. Ich bin gespannt, ob es mir gelingen wird, meinen Standpunkt klarer rüberzubringen und anderen Menschen zugänglich und nutzbar zu machen.

      Eine Aufgabe habe ich mir somit schon einmal gesetzt und das hilft bereits. Wenn da nicht so oft noch die alten Zweifel wären, die in Form von Gedanken jegliche Motivation und Lebenskraft rauben und mich dazu bewegen möchten, am besten gar nicht erst aufzustehen.

      An manchen Tagen, komme ich gut damit zurecht und enttarne sie als alte Muster oder Schutzreflexe, doch an vielen Tagen schaffen sie es noch immer, meinen Glauben an mein Projekt und meine Vision zu schwächen, so dass dann lange nichts passiert und ich es wieder schleifen lasse.

      Vielleicht (wahrscheinlich) kennen viele meiner Leser und auch du das? Und habt dadurch Verständnis, dass so lange nichts von mir veröffentlicht wurde?
      Was kann ich nun Besseres tun, als euch zu zeigen, dass ich diese Muster durchbreche? Ich arbeite daran.

      Also bitte entschuldige mich dafür, dass ich dir so spät antworte.

      Nun möchte ich meinen Blog wieder mehr pflegen und diesmal auch richtig, sprich regelmäßig.

      Dazu kommt in einem späteren Artikel mehr, sobald ich meine Planung klar aufgestellt habe und mich organisiert habe.

      Ich wünsche dir mit deinem Blog viel Erfolg und melde mich per E-Mail bei dir für unser Brainstorming über eine eventuelle gegenseitige Unterstützung.

      Sei herzlich gegrüßt
      Elisa

  4. Hallo,

    interessante und informative Beiträge hier, super. Habe längere Zeit als stiller Gast nur mitgelesen und mich jetzt mal angemeldet.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr bei Gelegenheit auch einmal auf meinem Blog zum Thema Textilreinigung vorbeischauen würdet.

    Alles Liebe

    Herbert

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